Der große Brand in Glauchau von 1712

und der Wiederaufbau der St. Georgenkirche

Eine Spurensuche – von Dr. Günther Bormann

Das Schönburgische Glauchau war in jener Zeit ein kleines Landstädtchen mit vielleicht 1.500 Einwohnern. Es bestand aus der ummauerten Stadt zwischen Mitteltor vor der Nikolaibrücke, dem Obertor zwischen Kirchgasse und Zwinger und dem Mühltor auf dem Schlossberg. Dazu kamen die Lange Vorstadt (jetzt Leipziger Straße) und die Hoffnung, die Oberstadt – das Stück Schloßstrasse vor dem Obertor bis zur Theaterstraße — und die Siedlung auf dem Wehrdigt.
Am 24. Oktober 1712 wurde nachmittags auf dem Gottesacker (dem jetzigen Schillerplatz) die Frau des Ratsmitglieds Johann Berger begraben, und da gingen natürlich die Honoratioren der Stadt mit ihren Familien mit zum Begräbnis. Gleichzeitig wurde auf den Dörfern der Umgebung Kirchweih gefeiert, da lief jeder hin, der in jenen gleichförmigen Zeiten etwas erleben wollte. Und so war die Stadt sehr menschenleer, als in einem Haus vor dem Obertor ein Feuer entstand, das sich über die Stadtmauer ausbreitete und in rasender Eile um sich griff. Haus um Haus, Gasse um Gasse mit den alten Fachwerkhäusern, die oft mit Holzschindeln gedeckt waren, wurde erfasst, die Kirche brannte, das Rathaus. Es muss Südwind geherrscht haben, denn die Funken flogen bis zum Wehrdigt und setzten dort die Häuser in Brand, nur das Schloss blieb unversehrt und die Häuser der Langen Vorstadt und Hoffnung.

Die ganze ummauerte Stadt, die Oberstadt und viele Häuser im Wehrdigt standen in Flammen, waren nach Stunden verkohlt, glühend und qualmend in sich zusammengestürzt, es war ein Chaos von unvorstellbarem Ausmaß. Hitze, Gestank, Verwüstung, die Gassen waren unpassierbar, etwa 300 Häuser waren zerstört, eine Frau starb an Rauchvergiftung.
Wir können heute annehmen, dass mindestens 1.000 Menschen, Hab und Gut, Tisch und Bett in wenigen Stunden verloren haben. Und auch für alle, die verschont geblieben waren, änderte sich komplett ihr Leben, denn jetzt mussten so viele Leute, wie irgend möglich in den vorhandenen, gewiss nicht großen und komfortablen Häusern aufgenommen werden. Auch auf den Dörfern kamen Menschen unter, und zwar auf unabsehbare Zeit. Der Winter stand vor der Tür und die Häuser wieder aufzubauen, das ging nicht so schnell, für Monate war das gewohnte Leben in der Stadt völlig umgestürzt.

Welche Möglichkeiten haben wir heute, wenn wir uns einer Zeit vor 300 Jahren annähern wollen? Es gibt Chroniken, Arbeiten, die sich mit dieser Zeit beschäftigen, und Originaldokumente. Von Glauchau existieren zwei Chroniken. Die erste stammt von Ernst Eckardt aus dem Jahr 1882. Diese Chronik erzählt sehr viel, aber es gibt keine Quellenangaben über die Ereignisse, die Eckardt erzählt, man kann darüber nirgendwo nachforschen. Die zweite Chronik hat Erich Berlet 1934 geschrieben, diese ist genauer, aber sie hat ebenfalls einen Nachteil: sie endet 1632. Dokumente aus jener Zeit liegen im Kreisarchiv, sie sind handschriftlich, in der alten Sütterlinschrift und in einem Sprachduktus, der heute nicht immer leicht verständlich ist. In den Dokumenten vom Kreisarchiv hatte Frau Helga Schulz aus der St. Georgen Gemeinde viel gelesen. Ich konnte mich auf ihre Aufzeichnungen stützen, aber ich habe längst nicht alles lesen können, was im Kreisarchiv über die fragliche Zeit liegt.

Es ist also durchaus möglich, dass bei einem späteren Anlass neue Fakten besonders über den Kirchenbau bekannt werden. Sehr hilfreich waren Schreibmaschinenabschriften und Fotokopien von zeitgenössischen Dokumenten, die in den Turmknopf von St. Georgen eingelegt worden waren. Diese hatte mir das Städtische Museum zur Verfügung gestellt. So gilt mein Dank dem Kreisarchiv und unserem Städtischen Museum für alle interessanten Dokumente, die ich einsehen konnte, aber auch der Ratsschulbibliothek Zwickau, der ich eine Zwickauer Sicht auf alte städtische Brandkatastrophen verdanke.

Ausschnitt aus

"Grundriss der denen Grafen von Schönburg gehörigen Stadt Glauchau"

Stadtplan von Glauchau aus dem Jahr 1798

(schraffierte Flächen zeigen die abgebrannten Stadtteil)

Stadtwerke Glauchau Dienstleistungsgesellschaft mbH -
ein Unternehmen der Überlandwerke Glauchau GmbH

in Zusammenarbeit mit
der Stadtbau und Wohnungsverwaltung GmbH Glauchau
sowie der Großen Kreisstadt Glauchau