Zeitzeugenbericht

Peter Rentsch erinnert an Herrn Alfred Schott

Die Familie Schott kenne ich seit etwas 1948/49. Wir waren in diesen Jahren 1948-1953 drei Jugendliche, die damals enge Kontakte zum Glauchauer Museum und zur Familie Schott hatten. Das waren der schon verstorbene Rudi Meinhart, Herr Werner Engelwald und Herr Peter Rentsch. Herr Schott war Lehrer, zuletzt an der Pestalozzischule und vorher an der Lehngrundschule. Er verfügte über ein sehr großes Allgemeinwissen, vor allem in den Fächern Geschichte sowie Naturwissenschaften.

Er schaffte es 1938 das erste Glauchauer Heimatmuseum im Schloss Hinterglauchau zu eröffnen. Es waren dazu sicherlich sehr viele Anstrengungen notwendig. Zum Beispiel ist mir bekannt, dass er Verhandlungen mit der Familie von Schönburg geführt hat, um letztendlich in vier Räumen des Schlosses Hinterglauchau das ehrgeizige Projekt umzusetzen. In den ersten Tagen des Glauchauer Museums ging es ihm vor allem um die Stadtgeschichte Glauchaus - vordergründig um die Weberei. Es stellte auch eine große Sammlung heimatlicher Fahnen aus. Auch der Rittersaal gehörte damals - wenn ich mich recht erinnere - mit zum Museum. Während des Krieges wurde das Museum wieder geschlossen. Herr Schott war weiterhin Lehrer an der Pestalozzischule. Erst nach 1945 gelang es ihm dann hauptamtlich als Museumsleiter tätig zu sein.

Ein großer Glücksfall für das neue Museum war die Tatsache, dass Professor Paul Geipel aus Dresden, große Teile seiner Kunst- und Mineraliensammlung der Stadt Glauchau vermachte. Es muss darauf hingewiesen werden, dass die Schwester von Professor Paul Geipel, Frau Schimmel war. Die Frau Schimmel war die Witwe des leider schon 1930 verstorbenen Oberbürgermeister Otto Schimmel.

Herrn Geipels Sammlung ist bedeutungsvoll. Mir sind jetzt noch Namen von bestimmten Künstlern bekannt, an die ich mich erinnere jene in der städtischen Kunstausstellung gesehen zu haben: „ So, Carus, Zwinscher, Dorsch, Bracht, Panzer, Stau u. v. a.". Professor Geipel besaß eine umfangreiche Sammlung von Grafiken - darunter auch einige Originalradierungen von Rembrandt und Dürer. Teile seiner Bestände an Tierplastiken von August Gaul, wurden ebenfalls dem Glauchauer Museum überlassen. Darüber hinaus sammelte Professor Geipel Mineralien. Unter anderem besaß er einen Meteoriten, der etwa fünf Zentner wog. All das ist ebenfalls in Glauchau untergebracht. Geipel war sehr vielschichtig interessiert. Es ist Herrn Schott zu verdanken, dass dieser bedeutende Nachlass nach Glauchau kam.

Etwa 1947/48 wurde das Glauchauer Museum wieder eröffnet. Herrn Schott gelang es einen Teil der Möbel des Glauchauer Schlosses sicherzustellen und in Hinterglauchau zu zeigen.

Alfred Schott hat bis in die 1970er Jahre das Glauchauer Museum geführt und sich ständig für den weitern Ausbau der Kunstsammlung eingesetzt. Das ist meines Erachtens auch ein besonderes Verdienst. Schott hat nicht nur versucht, Heimatgeschichte darzustellen, sondern er bemühte sich den Bürgern der Provinz die Möglichkeit zu geben, sich mit Kunst zu beschäftigen. Die Verdienste von Alfred Schott sind sehr vielschichtig. Zum Beispiel setzte er sich 1945 dafür ein, dass das Schloss nicht weiter verteidigt wurde. Die Amerikaner zerschossen zwar im Forderschloss ein Gebäudeteil und dabei kam es zum Band von drei Giebel, aber diese wurden zu Lebzeiten Herrn Schotts wieder aufgebaut. Auch im Hinterschloss hat er sich dafür eingesetzt, dass Baumaßnahmen - soweit das unter den Bedingungen der DDR möglich war - durchgeführt worden. Alfred Schott hat sich auch dafür eingesetzt, dass das unmittelbare Umfeld des Schlosses erhalten bleibt und darauf hingewirkt, dass im Schlosspark ein Behälter für die Wasserversorgung im Erdreich versenkt wurde. Ursprünglich war an dieser Stelle ein Hochbehälter geplant, der die Gesamtansicht wesentlich beeinträchtigt hätte.

Es ist schade, dass über Alfred Schott in Glauchau sehr wenig bekannt ist. Ich möchte an dieser Stelle an Herrn Schott erinnern und an unsere Zeit mit ihm. Wir, als interessierte Jugendliche wurden für Helferdienste bei Schlossführungen eingesetz.
Wir sorgten für das Öffnen und Schließen der Türen und für die Beleuchtung der Räume bzw. passten auf, dass kein Besucher zurückblieb oder irgend etwas entwendet wurde. In späteren Jahren dann, kann ich mich erinnern, habe ich auch selbst Führungen im Museum durchgeführt, was mich dann nach dem Erlernen eines Grundberufes letztendlich an die Fachschule für Heimatmuseen nach Weißenfels geführt hat.

In Weißenfels wurde eine wirklich gute Ausbildung vermittelt, allerdings ohne die Grundlagen die Herr Schott mir damals in Glauchauer beigebracht hat, wäre es für mich dort sicherlich etwas schwerer geworden. Zum Glück hatte ich fundierte Vorkenntnisse in Kunst- und Kulturgeschichte so dass mir das Studieren in Weißenfels an und für sich nicht übermäßig schwer gefallen ist.

Neuer Gedenkstein auf dem Glauchauer Friedhof.

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